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26. Februar 2018 Tanja Eichfeld

Bericht über die Fahrt ins Museum der Arbeit - Teil II

Station 3

Abstrakte Arbeit: „…welches immer ihr Inhalt und ihre Form, wesentliche Verausgabung von menschlichem Hirn, Nerv, Muskel…“

Eine vernünftige Arbeitsteilung existiert im Kapitalismus nicht. Es wird kein Plan gemacht, indem vorher ermittelt wird, wie groß ist der Bedarf an Wohnraum, an Lebensmitteln oder auch an Produktionsmitteln und entsprechend die Arbeit aufgeteilt wird. So, dass am Ende das produzierte Produkt verteilt und den Leuten zukommen lässt, die es hergestellt haben. So funktioniert die Sache im Kapitalismus nicht. Sondern es herrscht eine Konkurrenz, von privaten Produzenten. Sein es kleine Handwerker oder große Unternehmen. Diese private Konkurrenz, in der die Produzenten einander brauchen und für einander arbeiten. Aber zugleich sich vorenthalten, was sie für einander schaffen oder was sie benötigen. Alles wird hergestellt für den Bedarf der anderen. Aber nicht um diese zu bedienen, sondern diese erpresserisch zu nutzen, für den Erwerb von Geld. Der Warenpreis der an jedem Gut klebt, ist die Trennung des Käufers vom Gut und aufhebbar ist diese Trennung der nützlichen Sache von demjenigen der sie haben möchte nur durch die Überlassung eines Äquivalents, oder anders ausgedrückt, die Überlassung von Geld. Hier herrscht kein gemeinsames Miteinander, sondern eine Abhängigkeit. Man braucht den anderen immer als Käufer oder als Produzenten. Man steht immer in einem Gegensatz. Wechselseitig werden keine Bedürfnisse erfüllt, sondern benutzt und dienen als Erpressungshebel für den Gelderwerb. Die VWL erklärt hierzu, dass die sog.“ invisible hand“ des Marktes dafür sorgt, dass der Konsum durch die Produktion optimal bedient wird. Diese Anschauung rührt daher, dass man auf die Produzenten schaut und erklärt, dass diese nicht für ihren Bedarf produzieren. Das stimmt, diese wollen ihre Produkte ja loswerden. Aber für den fremden Bedarf produzieren diese auch nicht. Das fremde Bedürfnis zählt nämlich nur wenn es Kaufkraft besitzt und nur dann! Es zählt nicht, dass viele Menschen in Wohnlöchern hocken und viele Wohnungen nicht vermietet werden. Dies zählt nicht als eine Produktion, die am Markt vorbei gegangen ist. Einfach deswegen, weil der schiere Bedarf des Armen, insofern er die Miete nicht zahlen kann, gar nicht als Bedarf in Betracht gezogen wird. Denn nur das kaufkräftige Bedürfnis gilt als Bedarf am Markt. Dieses allgemeine Tauschen hat Marx ergründet: „Im Prinzip findet bei diesem allseitigen kaufen und verkaufen eine praktizierte Gleichsetzung von Arbeitsprodukten statt" und zwar vermittelt über das Geld. Ich verkaufe eine Ware gegen Geld und gehe anschließend zum Bäcker und kaufe dessen Ware: „x Ware a = y Geld = z Ware b“. In dieser Gleichsetzung über das Geld werden die Waren selber gleichgesetzt. Worin besteht diese Gleichheit? Der konkrete Gehalt eines Gebrauchsgutes, also hier ein Bier und dort ein Stuhl, ist offenkundig nicht das Vergleichbare. Darin sind beide ungleich. Genauso die konkrete Arbeit, die diese Produkte hervorbringt, die des Bierbrauers oder die des Tischlers. Dies sind zwei völlig unterschiedliche Tätigkeiten. Das gemeinsame dieser unterschiedlichen Tätigkeiten ist, das beide das Produkt menschlicher Arbeit schlechthin sind. Diese Arbeit in der nicht mehr zählt, als das worin sie besteht: Brauen von Bier oder schreinern eines Stuhls usw.

Sieht man ab von der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt an ihr, dass sie eine Verausgabung von menschlicher Arbeitskraft ist. Also das was an Arbeitsaufwand betrieben wurde, ist das was in den Waren gleichgesetzt wird, so dass sich die Frage aufdrängt, wie viel Arbeitsaufwand wird eigentlich gleichgesetzt mit einem anderen? Wenn der Arbeitsaufwand nur nach seiner Dauer zählt, dann muss man wissen wie viel. Marx antwortet auf diese Frage: Die Arbeitszeit als Maß des Werts ist folgendermaßen bestimmt: „Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakte menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist“. Wie soll man nun diese Größe seines Wertes messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen wertbildenden Substanz der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst misst sich an ihrer Zeitdauer.

Nun könnte man meinen, je mehr Zeit ein Arbeiter für die Herstellung einer Ware benötigt, langsamer oder fauler er arbeitet, desto wertvoller wird das Produkt. Aber gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist dann erreicht, wenn irgendein Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlichen normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit hergestellt wird. Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit, welche seine Wertgröße bestimmt. Also, wenn Arbeitsprodukte auf den Markt angeboten werden, wenn sie im Kaufen und Verkaufen, vermittelt über das Geld gleichgesetzt werden, dann ist der Inhalt dieses Gleichen die pure Verausgabung menschlicher Arbeit, Anstrengung und sie zählt, weil sonst an ihr nichts zählt, nicht das nützliche Produkt oder der nützliche Inhalt, nach ihrer Zeit. Aber diese Zeit ist nicht für sich der Wertausdruck dieser Ware. Sonst würde auf jedem Preisschild einer Ware eine Stundenangabe stehen. Also ist die Arbeitszeit, nicht die individuell verausgabte Arbeitszeit für ein Produkt, sondern sie ergibt sich aus einem doppelten Vergleich, in dem die Produzenten und Verkäufer stehen. Auf der einen Seite muss jeder Produzent von Stühlen seinen Arbeitsaufwand einem Vergleich aussetzen, mit dem Arbeitsaufwand eines anderen Produzenten derselben Ware. Wenn ein Produzent einer Ware einen erhöhten Arbeitsaufwand hat, so kann er diesen nicht einfach am Markt absetzen, weil er das von den Käufern nicht entgolten bekommt. Diese kaufen das günstigere Produkt, was deshalb günstiger ist, weil mit geringeren Arbeitsaufwand gefertigt. Das Maß ist also ein allgemeiner Durchschnitt dessen, was mit einer Produktionsmethode, also einem Werkzeug und einem Durchschnittsgeschick an Aufwand notwendig ist. Wer also mit einem erhöhtem Arbeitsaufwand versucht, seine Waren zu verkaufen, der bleibt auf einem unverkäuflichen Produkt hocken. Dies bedeutet, dass sein geleisteter Arbeitsaufwand wertlos gemacht wird. Aber nicht nur jeder Produzent sieht sich in einem Vergleich mit konkurrierenden Anbietern ausgesetzt, der dasselbe Produkt mit seinem Aufwand fertigt. Sondern alle sind einem Vergleich ausgesetzt: Mit dem „Marktmagen“ und seiner Kaufkraft und mit dem, was an Zahlungskraft insgesamt ein solches Produkt überhaupt begehrt. Hat man beispielsweise im Sommer, dank der warmen Witterung x Hektoliter Bier verkaufen können, dann kann es sein, dass man im Dezember auf der Hälfte davon hocken bleibt. Dann wird deswegen, weil der gesellschaftliche Bedarf nach diesem Gut als Kaufkraft nicht vorhanden ist, der Wert dieser Sache korrigiert. Es ist also nicht die wirklich verausgabte Arbeitszeit, sondern dieser doppelte Vergleich die bestimmende Größe für das was an dieser Arbeitszeit zählt. Der Aufwand im Vergleich zum anderen die dasselbe Produkt fertigen und der Vergleich zur ausnutzbaren Bedarfslage. Ob und wie viel ein Arbeitsaufwand an Geld erlöst, entscheidet über den Wert des Arbeitsproduktes in diesem doppelten Vergleich. Daher muss Arbeit einerseits pro Stück relativ kurz sein, damit man seinen Konkurrenten aus boten kann und von dieser pro Stück relativ wenigen Arbeit muss absolut viel angehäuft werden, damit man viel verkäufliches Arbeitsprodukt zu Wert macht, also in Geld umsetzt. Es muss also zugleich wenig pro Stück und viel gearbeitet werden. Dieses gilt absolut!



Nächste Woche Station 4 und 5