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In Hannover formiert sich der Pflegeaufstand

Gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich am Samstag in Hannover über Strategien und Aktionsideen gegen den Pflegenotstand aus. Für DIE LINKE Niedersachsen als Veranstalter ist das einerseits ein voller Erfolg und andererseits eine Aufgabe für weiteres Engagement. "Bei den Pflegekräften gärt es schon lange nicht mehr nur unter der Oberfläche. Sie gehen auf die Straße und verlangen endlich eine spürbare Entlastung", fasst es Lars Leopold, Landesvorsitzender DIE LINKE Niedersachsen, zusammen. Für diesen Protest haben sie sich am Samstag zusammengetan und landesweit vernetzt, mit dabei Fachkräfte aus der stationären Alten- und Krankenpflege, der ambulanten Pflege und pflegende Angehörige. Ein besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf die Vernetzung der "Runden Tische Pflege", die sich in immer mehr Städten und Kommunen gründen. 

"Es ist gut zu sehen, wie viele Pflegekräfte aktiv werden. Und es ist bitter, dass sie von den Verantwortlichen so sehr im Stich gelassen werden, dass sie aktiv werden müssen", resümiert Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE im Bundestag die Aktionskonferenz. "Im Gegensatz zur Bundes- und Landesregierung, die den Pflegenotstand nur benennen, haben die Pflegenden aus der Praxis aber die Lösungen dagegen. Jetzt müssen wir gemeinsam daran arbeiten, dass sie auch gehört werden." 

Die Pflegekräfte tauschten sich auf der Konferenz auch mit Kolleginnen und Kollegen aus, die in anderen Bundesländern schon Erfahrungen mit Streiks in Altenheimen und Krankenhäusern gesammelt haben. In fünf Workshops planten sie die nächsten Schritte. Schon in den kommenden Wochen wird der Protest gegen den Pflegenotstand also in zahlreichen Kommunen noch sichtbarer werden. Stefan Jagel, Mitinitiator des Volksbegehrens „Pflegenotstand stoppen“ in Bayern schilderte etwa, dass es nur wegen des breiten Bündnisses so erfolgreich sein konnte. Die Vernetzung sei aber, da alle beruflich so stark gefordert seien, eine große Herausforderung. „Pflege muss in die Auseinandersetzung gehen“, brachte es Angelika Jobke, Pflegefachkraft in der Altenpflege aus Hildesheim, im Workshop auf den Punkt. Außerdem waren sich die Pflegenden einig, dass es Zeit sei für eine Großdemo in Berlin. 

Denn der Pflegenotstand ist in den Kliniken, Pflegeheimen und bei den ambulanten Diensten noch viel deutlicher spürbar, als man sich das in einem reichen Land wie Deutschland vorstellen mag. Besonders eindrucksvoll schilderte das Simona Netz, Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung aus Wolfsburg, beim Auftakt der Aktionskonferenz. Sie schilderte, dass etliche Pflegekräfte nur noch nach ärztlicher Anweisung arbeiteten und nichts mehr hinterfragten, weil sie so unter den schlechten Bedingungen litten. Sie mahnte aber auch an: „Wir fördern die schlechten Bedingungen, wenn wir immer wieder einspringen.“ Und die Autorin und Hartz-IV-Aktivistin Inge Hannemann ergänzte, die Pflege sei zu einem Produkt der Gewinnmaximierung verkommen. Pflegende und zu Pflegende würden wie Kartons auf einem Fließband behandelt. „Ich bin aber kein Produkt“, will sich Hannemann nicht mit dem status quo abfinden.

Pia Zimmermann entließ die Pflegenden zum Ende der Aktionskonferenz in kämpferischer Stimmung. „Der Pflegeaufstand liegt in der Luft. Nun müssen wir alle den Wind dahinter zum Sturm werden lassen.

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