Ferienbetreuung für (fast) alle – nur nicht für die, die sie bräuchten
Die in der letzten Kreistagssitzung beschlossene Satzung zur Ferienbetreuung für Kinder erweist sich bei genauerem Hinsehen als eine Subventionsmaschine für all jene, die eine Betreuung ihrer Kinder auch anderweitig realisieren könnten.
Mit 130 Euro pro Woche, plus Kosten für das Mittagsessen, Ausflüge sowie Bastelmaterialien dürfte diese Betreuung für viele Eltern nicht erschwinglich sein. Schon zwei Kinder im Grundschulalter würden Kosten in Höhe von mehr als 1000 Euro für die vier Wochen verursachen. „Das ist gerade in einem Landkreis, in dem viele Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten ein Schlag ins Gesicht“, zeigt sich Sünje Loës empört. „Zwar werden Empfänger von Sozialhilfeleistungen freigestellt, doch für all jene, die viel arbeiten für wenig Geld, bedeutet diese Satzung, dass die gesetzlich vorgeschriebene Ferienbetreuung für sie nicht zugänglich ist.“
Der Landrat Marco Prietz (CDU) hat darauf hingewiesen, dass es sich bei den 130 Euro um ziemlich genau die Hälfte der jeweils entstehenden Kosten pro Kind handelt, der Landkreis also gleichfalls einen Zuschuss von 130 Euro leistet. Dieser Zuschuss aus dem Steuersäckel, kommt nun also all jenen zugute, die über ein ausreichend großes Einkommen verfügen, um mehr als 500 Euro Betreuungskosten in vier Wochen für ein Kind zu stemmen, während all jene, die auf zwei volle Einkommen angewiesen sind, Probleme haben dürften, das Angebot wahrzunehmen.
Im Stich gelassen werden hier all jene, die jeden einzelnen Arbeitstag brauchen, um ihre Rechnungen bezahlen zu können und diejenigen, die nur auf den gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch zurückgreifen können, um Ferienzeiten abzudecken. Unmissverständlich klar gemacht hat der Landrat auch, dass in Zukunft weiterhin mit der CDU kein Kurswechsel zu erwarten ist.
So hieß es in Reaktion auf entsprechende Anregungen von unter anderem Loës weiter, dass eine Staffelung der Kosten nach Einkommen zu viel Arbeit bedeute. Das Kredo lautet: Die Entlastung der unteren Einkommensklassen ist nicht so wichtig, wie die Entlastung der Verwaltung. Das kann keine Begründung sein und in den kommenden Jahren braucht es dringend eine Lösung, abseits von CDU-Positionen, die sich auf den Standpunkt stellen, dass es im Grunde das Problem der Eltern sei, wie sie die Betreuung in den Ferien regeln. Es braucht eine Lösung, die anders als das jetzige Modell, gerade denjenigen Familien den Zugang ermöglicht, die dringend darauf angewiesen sind und sich andere Alternativen so wenig leisten können wie einen Verdienstausfall.

