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Der Stammtisch am Montag, 06. Januar entfällt.


Stefan Klingbeil

Wider den Stillstand - für mehr Personennahverkehr im Landkreis Rotenburg

Ergänzend zur gestrigen Anwohnerversammlung und der dort thematisierten Parkplatzerweiterung an den Berufsbildenden Schulen möchte ich daran erinnern, dass die Erweiterung des Parkplatzes aus meiner Sicht zwar eine notwendige und pragmatische Lösung ist, aber eben auch nur eine, die kurzfristig die Probleme durch den Individualverkehr aufgreift, dieses damit aber nicht gelöst, geschweige denn eine Lösung überhaupt herbei führen kann. Anno 1995 lautet der Anreiz: „Wenn du dein eigenes Auto nutzt, sorgen wir – „notgedrungen“ - schon für genügend Parkfläche“. Verkehrswende, Fehlanzeige. Alternativlos wäre diese Verkehrspolitik jedoch nicht.

Rufen wir uns ins Gedächtnis, dass eine Bahnstrecke innerhalb unserer Landkreises existiert. In Bremervörde hält einer der neusten Personenzüge, angetrieben durch Wasserstoff. Die Strecke zwischen Verden und Rotenburg wurde modernisiert, aber innerhalb unserer Landkreises hält der Stillstand im Personennahverkehrs weiter ein. Lediglich eine eingleisige Strecke für den Güterverkehr besteht zwischen Bremervörde und Rotenburg und diese ist noch nicht einmal elektrifiziert. Von einer längst überfälligen Verbindung Richtung Visselhövede in den Heidekreis sind ist die derzeitige Politik gedanklich völlig entfernt. Anderthalb Stunden um nach Soltau zu kommen ist schon attraktiv – man kann schon von eine Reise sprechen.

Anfang des Monats teile Herr Althusmann über das niedersächsische Verkehrsministerium mit, dass „ein starker Nahverkehr ein entscheidender Faktor für die Mobilität der Zukunft ist". "Zum Ausbau und zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beteiligt sich das Land Niedersachsen in diesem Jahr mit rund 95,4 Millionen Euro an insgesamt 328 Projekten." hießt es in der Pressemitteilung. [3] Ja, auch wir bekommen etwas vom Kuchen ab. Der Ausbau und Grunderneuerungen von Bushaltestellen aus Mitteln des Landes kommt uns zu Gute. Aber leider wird auch dieses Jahr der Schienennahverkehr im Landkreis Rotenburg nicht mit einbezogen. Damit lässt der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke auf sich warten.

Im Juli 2018 hat DIE LINKE einen Antrag über die "Prüfung zur Reaktivierung der Bahnstrecke Bremervörde – Zeven – Rotenburg (Wümme)" in den Kreistag eingebracht. [1] Damit sollte der Druck auf die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen wachsen. Denn auch im Nahverkehrsplan des Landkreises wird der Reaktivierung der Strecke zwischen Bremervörde, Zeven und Rotenburg weiterhin eine geringe Priorität eingeräumt. So kann eine grundlegende Verkehrswende nicht funktionieren!

Der Bundestagsabgeordnete Perli (DIE LINKE.) schreibt: "Unfassbare 6.500 Kilometer Bahnstrecken wurden seit 1994 in Deutschland eingestellt, wie die Bundesregierung auf Anfrage der LINKEN zugeben musste. 160.000 Stellen wurden seitdem abgebaut. Rund 10.000 Bahn-Brücken sind marode. Der Nahverkehr wurde ausgedünnt, so dass viele Regionen nicht mehr an die Bahn angeschlossen sind." [2]

Wenn Politik insbesondere junge Menschen davon überzeugen möchte, dass Vorzüge der gestiegenen Mobilität nicht nur über das individuelle Auto erreicht werden können, dann müssen wir langfristige Investitionen ergreifen. Wichtig ist dabei, dass die Konzipierung in Prozessen mit den Einwohnerinnen des Landkreises erfolgen.

Mit einer Anbindung ans Bahnnetz würden abgehängte Teile der Gesellschaft auch im Landkreis Rotenburg mehr Teilhabe ermöglicht werden. Das sollte meiner Meinung nach Ziel einer solidarischen Gesellschaft sein – nicht die Maximierung der Gewinne privatisierter Bahnunternehmen.

[1] https://www.dielinke-row.de/aktuelles/detail/news/reaktivierung-der-bahnstrecke-bremervoerde-zeven-rotenburg-wuemme-eingebracht/

[2] http://perli.de/2020/02/11/runter-vom-abstellgleis-fuer-eine-linke-bahnreform/

[3] https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/verkehrsministerium-fordert-niedersachsens-opnv-mit-uber-95-millionen-euro-184841.html